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Samstag, 21. Juni 2014

Newcastle zum dritten

Ich kann so gnadenlos langweilig sein. Schnitte, die sich bewährt haben nähe ich noch und nöcher.
So bekam auch mein Liebster von mir zu seinem Geburtstag Anfang Juni einen weiteren Newcastle Cardigan genäht. Diesmal als eine Art Sommerjacke für kühlere Tage.


Als wir in den Winterferien Monika und ihre Familie besuchten, bewunderte mein Liebster den Wollstrickcardigan von Monikas Mann und erwähnte auch danach noch mehrfach, wie gut ihm diese Jacke gefallen habe. Ich hab das natürlich sehr gern und sehr ernst genommen, et voilà!

Monika hatte noch ein gutes Stück von dem unglaublich hochqualitativen karierten Wollstrick über und verkaufte es mir. Den gestreiften Kombistoff gleicher Qulaität hatte sie verbraucht, also musste ich mir was anderes als Kontraststoff überlegen. (Ursprüngliche Stoffquelle: Mein Stofflaedchen via dawanda)

Glücklicherweise konnte ich die Innenseite von dem Stoff auch einfach als rechte Seite und somit nach aussen nehmen und habe damit die Blenden, den Kragen und die Ärmelmanschetten gemacht.
Meine Nähmaschine mochte in den schönen Wollstrick leider keine zuverlässig schönen Knopflöcher einarbeiten. Fast alle Probelöcher hatten irgendeine Macke. Bei dieser Gelegenheit beschäftigte ich mich mal wieder mit den features meiner "neuen" Nähmschine. Ich habe sie nun schon über ein Jahr und entdeckte jetzt erst die Möglichkeit, dass man den Nähfußdruck verstellen kann. Was aber bei den Knopflöchern hier trotzdem zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führte.
Ich habe also stattdessen wieder größere Druckknöpfe unter den eigentlichen Knöpfen angenäht. Was ich sowieso auch sehr schön finde.

Den Armausschnitt habe ich diesmal auch wieder ein bißchen nach innen gezogen. Dann sitzt die Jacke hinten am Rücken einfach etwas besser.
Der Kragen ist wieder die schmalere Variante. Trotzdem ich das schon letztes Mal bemängelte und mich bemühte, die Nahtzugabe hier besonders großzügig zu halten, hätte ich ihn hinten in der Mitte lieber noch etwas schmaler gehabt. Nächstes Mal dann...


Auch wenn es langweilig ist, werde ich mich diesmal wieder mit einem Newcastle Cardigan bei Monikas Sommer HerrMann verlinken. Hier in Berlin ist es gerade so ungemütlich kalt und unfreundlich trüb, da ist diese Jacke gerade ein absolut wettergerechtes und heißgeliebtes Kleidungsstück.

Freitag, 31. Januar 2014

Für den Liebsten: Newcastle zum Zweiten

Der fast fertige zweite Cardigan (hier der erste) lag nun schon ein paar Wochen rum und wartete "nur noch" auf Vollendung. Es waren "eigentlich" nur eine aufzutrennende und neu zu steppende Absteppnaht am Kragen und eine leichte Modifikation der Schulterpassform nötig. Aber es fehlte mir eindeutig am Antrieb, müde an einem dunklen Feierabend olivgrüne, tief in den olivgrünen Winterjersey eingegrabene Steppnähte aufzutrennen... Obwohl ich sogar versucht habe, mich mit der Anschaffung eines neues Trennwerkzeugs positiv zu überlisten, war der Winterschlafmodus einfach stärker...
Aber nun ist es -dank eines Arschtritts  wohlmeinenden Motivations-Coachings von Frau Dr. Susa- endlich vollbracht -hallelujah! Jetzt kann die Jacke endlich getragen werden.
Heute morgen haben wir sogar Trage-Fotos machen können, gerade noch rechtzeitig für eine Verlinkung beim "Winter HerrMann" aud dem Blog von Monika(te)


Obwohl ich wie auch beim ersten Modell die kleinere Kragenvariante gewählt hatte, war mir der Kragen hinten mittig immer noch zu üppig. (ganz, ganz sicher hatte ich Vorher-Fotos von dem unbefriedigenden Zustand gemacht, aber die sind jetzt einfach weg. Vielelicht eingeschlafen oder eingeschneit, tauchen bestimmt im Frühling wieder auf, oder?).
Die zunächst unbefriedigende Form des Kragens muss auch am Stoff liegen. Denn in der bereits genähten Variante in Flauschstrick ist der Kragen genau richtig. Hier am Winterjersey gefiel mir die Form viel weniger, da wollte ich also nochmal trennen.
Allerdings, da ja der Rest schon komplett fertig war, konnte ich nur die Absteppnaht trennen, an die innenliegende Naht wäre ja nur durch komplettes Abtrennen des Kragens wieder heranzukommen gewesen. Nööööööö...
Also Steppnaht komplett aufgetrennt, den Kragen n der hinteren Mitte kleiner geschoben (oder wie könnte man das bezeichnen?), gebügelt, neu abgesteppt und die nun sichtbar offene Aussennaht im geänderten Bereich mit ein paar Stichen von Hand geschlossen.
Auf den Fotos sieht das jetzt so frisch gebügelt auch immer noch nicht so richtig gelungen aus. Komisch. In echt finde ich das jetzt gut so.
Aber so ganz allgemein habe ich sowieso das Gefühl, dass sich diese Jacke durch Tragen noch irgendwie mit dem Mann verwachsen muss.
Hier der etwas modifizierte Rücken:

An der Schulterpartie kann man sich auch bei einem Männeroberteil -sogar selbst bei Jersey- passformtechnisch verkünsteln. Der Radius für die Bewegungsfreiheit muss gewährleistet sein, aber zuviel Stoff im Rücken gefällt mir auch nicht (und wenn man erstmal anfangt, darauf zu achten sieht man viele Männersakkos die im unteren Schulterbereich viel zu weit aussehen- Ich weiß das jetzt, denn das zu beobachten war mir ein netter Zeitvertreib auf einer drögen Stehparty)

mit offenem obersten Knopf getragen
Der Kragen schließt bei mir direkt mit der vorderen Kante ab. Recherchiert man den Newcastle Cardigan im Netz gibt es aber auch etliche Varianten, bei denen der Kragen mittig in der Blende endet.

Den Saum habe ich mit dem Elatikgradstich einfach angenäht. (Nicht ohne vorher der blöden Zwilligsnadel mal wieder eine Chance gegeben zu haben).

Schnitt: Newcastle Cardigan von thread theory. Das wunderschöne "Gebinde" mit dem Fertigschnitt kann man z.B. hier kaufen.
Die hochwertigen Knöpfe sind ein Geschenk von Catherine.
Den olivgrünen Winterjersey gab es auf dem Maybachufermarkt.

Dienstag, 7. Januar 2014

Adventliches Mutter-Tochternähen: Newcastle Cardigan, der Erste

Auch im Hause Kreuzberger Nähte gab es ein textiles Männerweihnachtsgeschenk aus eigener Produktion.

Als ich im Juni bei Sinje / Strich & Faden auf ihre Frage nach guten Männerschnitten in den Kommentaren von meiner Namensschwester Wiebke zum ersten Mal von dem canadischen independentlabel Thread Theorie hörte und dort stöberte, war ich einfach nur begeistert. Und habe mir sofort den Newcastle Cardiganschnitt runtergeladen.
Ich hatte damals für meinen Liebsten gerade erfolgreich einen Unterhosenprototypen nach dem Schnitt John genäht und war voller NfA-Tatendrang.


Aber aus unerfindlichen Gründen blieb der ausgedruckte Schnitt dann liegen. Bis kurz vor Weihnachten, als meine Tochter jammerte, dass sie kein Geschenk für den Papa wüsste.

Für den unverplanten und Papalosen letzten Adventssonntag planten wir also ein gemeinsames Mutter-Tochter-Papastrickjackennähen.
Stoff dafür hatte ich mittlerweile aufgetrieben. Sogar gleich doppelt:
Das eine ein lang verschollenes Bestandsstück aus den 90-ern, herrlichster Wollstrick aus einem italienischen Stoffgeschäft am Savignyplatz. Ich glaube das war einer der teuersten Stoffe, die ich jemals gekauft habe. Völlig zu Recht, immerhin enthält er ausschließlich kuscheligste Wollfasern und ganz sicher auch nicht nur einen Hauch Angora und /oder Kaschmir. Ich hatte mir damals einen Lieblingspulli daraus genäht (wo ist der eigentlich abgeblieben???) und aus vergessenen Gründen die gleiche Menge nochmal nachgekauft und zur Seite gelegt. Und genau dieses Stück ist vor kurzem bei einer Kellerräumaktion wieder zum Vorschein gekommen. Völlig unversehrt. Und auch das typische Kelleraroma hat sich, nachdem eine Wäsche zunächst nicht geholfen hatte, mittlerweile einfach von selbst verflüchtigt.
Der zweite Stoff ein olivfarbener glatter Winterjersey vom Maybachufer. Man könnte die Qualität vielleicht auch als wolligen, feinen Romanit bezeichnen.


Ganz naiv -und im Nachhinein geradzu lächerlich- dachte ich mir den Nähsonntag wie folgt: Am Vormittag kleben wir gemeinsam ganz gemütlich die 32 DinA4-Blätter zusammen, hören Musik und essen dabei ein paar Kekse, danach schneiden wir gemeinsam aus den beiden Stoffen zwei Strickjacken zu, begleitet von schöner Musik und weiterem gemütlichen Keksverzehr. Und dann fangen wir an, die beiden Strickjacken zusammenzunähen. Ich übernehme den dickeren gerippten Wollstrick während meine hochmotivierte Tochter den leichter zu verarbeitenden Winterjersey zusammennäht. Ganz gemütlich würden wir Schritt für Schritt paralell zwei tolle Geschenke produzieren. Und viel Spaß dabei haben.....

Es begann auch ganz gemütlich mit dem Zusammenkleben. Als meine Tochter beim endlosen Kleben bereits erste Ermüdungserscheinungen zeigte, schlug ich ihr vor, sie könne doch eine Art Liveblogbericht schreiben, den wir dann abends posten würden. Hier also ihr Originaltext:

Heute wird eine Strickjacke für Papa genäht. Mama hat heimlich Papas Maße gemessen und aufgeschrieben.
11:00  Mama kommt mit ungefähr 100 Zetteln an
11:30  Habe schon den ersten Fehler gemacht. Ich finde Downloadschnitte doof. Ich glaube Mama auch.

11:40 Ein Zettel fehlt, aber Mama sagt das kriegen wir hin. Sie hat doch bloß keine Lust nochmal zum  Drucker zu rennen.

11:47  Wir können nicht an Papas Lieblingsstrickjacke messen, weil er die heute anhat. Aber er ist M.
11:56 Wir haben fertig geklebt und pausen den Schnitt ab. Mama hats wirklich geschafft.


Tja, das wars dann mit dem bloggen und gemeinsam gemütlich Nähen. Beim Zuschnitt beschloss meine Tochter, dass sie müde sei und einen Mittagschlaf bräuchte.... und wurde erstmal nicht mehr gesehen.
Ich machte mich also allein an den Zuschntt des Wollstricks (erstmal ein (Probe)teil kann ja auch nicht schaden, bevor man in die Massenproduktion geht!)
Ich entschied mich für die schmalere Kragenvariante und -da der Strickstoff recht voluminös ist- für einen Unterkragen aus passendem Jersey.



Auch den im Schnitt vorgesehenen Innenbeleg wollte ich weglassen, das würde sonst alles viel zu dick werden.
Ich habe mir also ein doppeltes Blendenteil konstruiert und dieses vorsichtig zur Hälfte mit Einlage bebügelt .

Diese Blendenteile habe ich an die Vorderteile angenäht und jeweils die zweite lange Seite geoverlockt.
Nach Einsetzen des Kragens (ebenfalls mit einer versäubernden Overlocknaht) bei gleichzeitigem Verstürzen mit der Blende habe ich die geoverlockten losen Blendenkanten dann unsichtbar von Hand an die Vorderteile angenäht.
Dieses Detail hätte man durch Verwendung von einer einheitlichen Garnfarbe für alle 4 Overlockfäden etwas besser lösen können, tsetse... (oder einfach auch durch vorrausschauenderes Arbeiten)

Bei den Knöpfen hatte ich drei tolle Varianten in angemessen erstklassiger Qualität auf Lager.
Und mich dann für die großen schlichten (rechts) entschieden. Da ich in die 2 Lagen Strickstoff keine vernünftigen Knopflöcher eingenäht bekommen würde, habe ich stattdessen beschlossen, große Druckknöpfe unter die Knöpfe zu setzen.

Während die Blende am Saum mit sich selbst verstürzt ist, habe ich den eigentlichen Saum der Jacke einfach einfach eingeschlagen und mit einem breit eingestellten dreigeteilten Zickzack angenäht.

Zum Annähen der Knöpfe kam dann meine Tochter auch noch rechtzeitig an den Nähtisch zurück. Bei schöner Musik hat sie diese gemütlich angenäht während ich ein paar Kekse genossen habe.


Die Jacke kam nicht nur als Geschenk sehr gut an, sondern ist mttlerweile ein richtiges Familienlieblingsstück geworden Das soll heißen, dass jeder von uns sie gern anzieht und sich darin wohlfühlt... Es ist ja keine Jacke zum Ausgehen somdern eher -so war es auch geplant- eine richtige Hausjoppe.

P.S.: Die zweite Jacke aus dem sog. Winterjersey ist mittlerweile auch fast fertig, die will ich auf jeden Fall beim ersten Treffen des "Saison HerrMann" am 17.1. bei Monikate zeigen. Ich freue mich total auf diese Aktion. Es muss doch noch mehr so tolle Männerschnitte geben wie diesen Newcastle Cardigan. Den man jetzt übrigens auch als gedruckten Schnitt bei Santa Lucia patterns bekommt. Nähen satt kleben! Verratet das bloß nicht meiner Tochter....