Dienstag, 2. September 2014

NFA: Tochterpyjama

Die Tochter ist diese Woche wieder mal auf Klassenfahrt.
Diesmal nennt sich das ganze Kennenlernfahrt und findet deshalb gleich zu Beginn des neuen Schuljahres mit den neuen Mitschülern der neuen Oberschulklasse statt. Eine schöne Idee finde ich, meine Tochter findet das alles eher gruselig und sich damit voll überfordert.
Mein textiles Mutterherz hatte deshalb die Idee, als schwachen Trost immerhin ein liebevolles Mitgebsel zu nähen: Einen neuen Pyjama für geborgenen Schlaf.

Gepunktete türkise Baumwolle mit Gartenzwergen und Igeln, als Nachtwäsche findet sie das noch (oder schon wieder?) süß.
Der Schnitt ist aus einer älteren Burda, er lag schon fertig kopiert aber lausig beschriftet in meinem Schnittordner.
Es ist eine kleine Erwachsenengröße, der Anzug hat deshalb eine gemütliche Passform und wird wohl ein Weilchen passen.
Kragen und Belege habe ich mit dünner Einlage bebügelt. Die Kanten innen nur mit der Overlock versäubert.
Tunnel für den Gummizug.

Alles ganz klassisch ohne großen Schnick-Schnack. Da kann der Stoff ganz in Ruhe sprechen :)))

P.S.: Falls euch die Knöpfe bekannt vorkommen, die befanden sich vor kurzem noch an meiner grünen Srickjacke. 
vorher   -    nachher
Mir gefiel -nachem ich die Fotos für mein Blog gemacht hatte- die ganze Blende nicht mehr. Auch die Knöpfe fand ich zu groß.
Ich habe mir also im Nähkontor aus der Riesenauswahl an grünen Knöpfen kleinere Modelle ausgesucht, Und die beiden Blendenteile wieder komplett aufgetrennt, neu angestrickt und diesmal dabei ca jede 5. Randmasche verdoppelt. Das Ergebnis ist jetzt viel, viel besser und ich bin froh, dass ich mich da noch einmal drangesetzt habe.

Samstag, 30. August 2014

Herbst-Stoffwechsel: Steckbrief

Ich freu mich!
Beim letzten Stoffwechsel habe ich ganz neidisch zugeguckt, wie sich die beteiligten Nähbloggerinnen gegenseitig mit liebevoll ausgesuchtem Stoff und Zubehör bewichtelten. Dieses Jahr darf ich bei dieser tollen Aktion nun mitmachen. Große Aufregung.....
Vielen herzlichen Dank an Frau Siebenhundertsachen und Lotti Katzkowski für Organisation und Betreuung der Aktion.
An diesem Wochenende werden die Wichtelpartnerinnen ausgelost und jede veröffentlicht ihren  Nähsteckbrief.
Es geht für mich hier schon spannend los. Ich habe mir noch nie solche Gedanken zu meinen Stoffvorlieben gemacht, entscheide und kaufe eher immer nach Laune und aus dem Bauch heraus.

Was nähst du im Herbst/Winter am liebsten für dich?
In den letzten Jahren waren meine Herbstnähstücke vor allem Langarmshirts, kuschelige Kleider und auch der ein oder andere (pseudo)wollige Rock. Ab und zu auch mal einen Mantel, allerdings ist meine Abschlussquote in diesem Bereich extrem niedrig. Es liegen noch ein paar unvollendete Mantelprojekte rum.
Aus mir nicht bekannten Gründen habe ich für mich schon ewig keine Jacke mehr genäht. Und auch keinen Pulli oder wärmenderes Oberteil. Das finde ich ein bisschen schade. 
Wohingegen ich das Nähen von Blazern voll und ganz bewusst aus meinem Näh-Repertoire gestrichen habe. Hose wäre evtl. auch mal wieder eine Möglichkeit, aber mich mit einem Hosenstoff zu bewichteln wäre evtl. doch zu viel an Herausforderung

Und wenn wir kurz mal vor allem an Oberteile und Röcke denken, was würdest du da gern nähen? Hast du schon etwas vor Augen? Oder nähst du lieber Hosen oder nur Kleider?
Ich nähe gerne Röcke, und vor allem nähe ich -bekennende UFO-Näherin- diese auch fast immer fertig. Mein Kleiderschrank ist voll von Röcken. Allerdings trage ich gar nicht so oft Röcke. Weil ich nämlich ein Oberteilproblem habe. Besonders im Sommer bei hellen Baumwollröcken finde ich es extrem schwierig, passende Oberteile zu finden Im Herbst wird es dann zum Glück einfacher. In gedeckten und dunkleren Farben habe ich Langarmshirts und passende Strickjacken. 
 
Die Glaubensfrage: Webstoff oder Jersey? Oder doch beides?
Eindeutig Jersey! Unbequeme Kleidung geht gar nicht. Kleidung, die an den Armen oder im Rücken spannt ist mir ein Graus.
Ich denke, dass mein relativ hoher Output an Röcken auch daher kommt, dass ich dadurch all die hübsche Webstoffe verarbeiten kann, die ich ansonsten nicht verwenden würde/ könnte.
Allerdings habe ich zu meiner großen Freude in den letzten Monaten ein paar tragbare Kleider aus Webware -sogar aus solcher ohne Strechanteil- genäht, die ich auch gerne trage. Das freut mich sehr, weil es mir ein ganz neues Feld an Näh-und Kleidungs-Möglichkeiten eröffnet.
Die Sache mit dem Bügeln wäre dann allerdings noch mal ein ganz anderes Thema...

Welches Material vernähst du am liebsten (z.B. Viskose, Baumwolle, Wolle, …) – gegen was hast du eine (starke) Abneigung?
Ich bin völlig undogmatisch, was die konkrete Materialzusammensetzung angeht. Ich habe keine Sperre bei Kunstfasern o.ä., wenn ich den Stoff anfassen kann und er sich gut und nicht nach Plastik anfühlt. (bei online Bestellungen bin ich da allerdings vorsichtig)
Ich finde es gut, wenn ich meine Stoffe selber waschen kann- ich mag nicht gerne Sachen in die Reinigung bringen und abholen müssen. Handwäsche finde ich auch in Ordnung.
Auf keinen Fall darf Stoff kratzen. Nicht mal kribbeln darf er - selbst wenn man sich bei trockener Heizungsluft in überheizten Räumen aufhalten muss. Ebenso wenig darf Stoff hart oder störrisch sein.
Ein leicht ambivalentes Verhältnis habe ich zu Cord. Es gibt wunderschönen und er trägt sich absolut angenehm. Meine Ambivalenz kommt sicher von merkwürdigen Stoff-Schnitt-Verbindungen. Da kann man bei Cord viel falsch machen, aber eben auch alles richtig!
Ähnlich geht es mir mit Samt. Während ich mich -mit genügend zeitlichen Abstand - mit glattem Samt wieder völlig ausgesöhnt habe, kann ich mir eine solche Versöhnung mit Pannesamt überhaupt nicht vorstellen.

Was sind deine Lieblingsfarben, welche stehen dir gut? Welche gehen gar nicht?
Meine Lieblingsfarbe ist Grün. Und kleidungstechnisch gesehen auf jeden Fall Schwarz.
Grün kann ich i.d.R. gut tragen. Kritisch wird es, wenn das Grün zu pastellig wird. Oder zu sehr ins Kalte oder Türkise abdreht.
Wahrscheinlich wäre ich wohl ein Herbsttyp. Ich habe kastanienbraunes Haar mit silbernen Strähnen, grünbraune Augen und einen olivfarbenen Hautton. Aber entgegen den pauschalen Angaben dieser Farbtypensache stehen mir Orange, tomatiges Rot und fast alle Beigetöne überhaupt nicht.
Pastelltöne und hartes Weiß gehen ebenfalls nicht- ihr solltet mich mal in Baby-Hellblau oder lieblichem Apricot sehen!!!!
Wunderbar sind neben den bereits erwähnten Farben aus der Grünpalette und dem klassisch-schönen Geht-immer-Schwarz auch Lila, Beerentöne und Braun, besonders Rotbraun.
Ich bin bei diesem Punkt des Steckbriefs ein bißchen ratlos. Hilfe, was gibt es denn sonst noch für Farben? (Haha, allein diese Überlegung spricht wohl für sich :))))
edit: mir fällt gerade noch ein, dass mir Dunkelblau steht und gefällt. Ich leider nur keine Stiefel in der Farbe habe (Schande!)

Welche Muster magst du? Groß oder klein? Blumen, Streifen, Punkte? Oder sind Muster vielleicht gar nicht so deins?
Gerne uni, ebenso gerne Muster. Da kann ich bei mir gar keine konkreten Vorlieben benennen. Vielleicht ist das für Außenstehende viel klarer ersichtlich?
Kleine Blümchen mag ich zwar als Muster an sich gern, aber an mir auf Kleidung wirken sie schnell fehl am Platz. Animalprint ist schwierig. Ich mag Ozelot und Leo an sich gerne, da kann aber so ganzganzganz viel schief gehen, besonders wenn man die 50 überschritten hat.
Streifen mag ich sehr..und Karos, wenn sie quadratisch sind.
Ganz große Muster versuche ich bei meiner kleinen Körpergröße zu vermeiden,. Aber immer auf Nummer sicher ist auch nicht schön! So habe ich gerade bei einer Sammelbestellung afrikanische Waxprints mitbestellt. Da sind ein paar wahre Mustergrößenklopper darunter. Ich bin gespannt, was sich daraus zaubern lässt, ohne dass ich als wandelndes Muster rüberkomme.

Was sind die Kleidungsstücke, die dir (in letzter Zeit) in deinen Augen am besten gelungen sind? (Bitte mit Link oder Foto) Sind welche dabei, die du vor allem wegen ihres Stoffes magst?
Mein derzeitiges Lieblingskleid ist das Ozelotkleid. Materialqualität, Muster und Schnitt passen wunderbar zusammen und ich fühle mich darin unglaublich wohl und gutgekleidet. Nach dem Schnitt (McCalls 6503) würde ich gerne noch weitere Webstoffkleider nähen.
Leider nur kurzärmelig, aber der Schnitthit des Sommers ist Vogue 1027. Hier das uni lilafarbene.
Ansonsten ist mein meistgetragenes Kleidungsstück nach wie vor ganz eindeutig der Schwalbenrock. Der ist unaufdringlich aber besonders, geht zu allen Anlässen und ich habe unzählige passende Oberteile dazu (aka schwarze T-shirts).



Wieviel Stoff verbrauchst du ca. für einen Rock, ein Oberteil, ein Kleid? Welche Mindestmenge benötigst du für die Verarbeitung? Oder hast du sogar ein Maximalmaß für Stoff?
Ich bin eine Meisterin des Stoffknauserns. Aus einem Meter Stoff kriege ich eine ganze Menge rausgeschnitten und genäht. Für einen Rock -auch Teller und Falten- reicht mir 1m bei 1,40m Breite. An ganz verzagten Tagen schlage ich bei ungewissen Mustern aber auch schon mal mit 1,20m-1,50m zu.
Für langämelige Jerseykleider oder solche mit weiten Röcken kaufe ich 1,60m bis 2,00m.
Für Webstoffkleider kaufe ich immer 2m und ärgere mich -besonders bei Stoffen mit einer eindeutigen Stoffrichtung- manchmal beim Zuschnitt, dass ich mir nicht doch noch 30-50cm mehr gegönnt habe. Mehr als 2,50m brauche ich aber nie.

Gibt es sonst noch etwas, das dich als Näh-/Stofftyp in deinen Augen ausmacht?
Einfach draufloswichteln....ich lasse mich gerne überraschen.

Die Nähsteckbriefe aller Teilnehmerinnen werden hier gesammelt.

Freitag, 29. August 2014

Wer sagts denn?

So ein bißchen Nähtrotz kann nicht schaden. Kaum habe ich ganz unerschrocken ein weiteres sommerliches Jerseykleidd genäht, kam -zumindest kurzfristig- das passende Sonnenwetter zurück.
Knotenkleid Onion 2022
Zur (Oberschul-)Einschulung meiner Tochter trug ich es mit meiner neuen gelben Miette. In den Ferien gestrickt mit Drops Merino Extra Fine aus dem letzten sale.

Nachdem ich vergeblich nach farblich passenden Knöpfen im Kurzwarenhandel gesucht hatte, stieß ich auf einen Supersommerschlussverkauf bei Humana. Und auf das hässlichste Hemd der Welt, ungetragen, billig, mit 8 passenden perlmuttig schimmernden Knöpfen:
Das Abschneiden der Knöpfe hat mich ein bißchen verwirrt. Fertige Kleidung kaufen, nur um die Knöpfe abzuschneiden? Das Preis-Leistungs-Verhältnis war natürlich unschlagbar, so günstig hätte ich keine 8 Qualitätsknöpfe kaufen können. Trotzdem war es ein seltsames Gefühl, ein völlig unbenutztes Hemd endgültig wertlos gemacht zu haben - auch wenn es wegen seiner Hässlichkeit  sowieso völlig untragbar war.....

Sonntag, 24. August 2014

Die Sache mit dem Sommer

war dieses Jahr nicht nach meinem Geschmack. Entweder es war viel, viel, viel zu heiß oder ich musste bei strahlendem Sonnenschein arbeiten. Oder es war kühl-kalt und regnerisch. Wie in meiner Urlaubswoche an der Nordsee.
Nähtechnisch habe ich meinen mal wieder viel zu ambitionierten Hochsommerplan nicht abarbeiten können. Vor dem Urlaub war nicht mehr genug Zeit, jetzt macht mir das Wetter trotz August einen Strich durch die Rechnung.
Sommerliche Jerseykleider nähen, wenn ich am liebsten abends die Heizung anmachen würde?

Ein letztes Jerseykleid (Vogue 1027) hatte ich aber vor dem Urlaub noch fertiggestellt. Und tapfer im Urlaub getragen. Zum Glück gibt es ja Strickjacken.





Selbstauslöser-Outtake


Es ist aus einem wellig gemusterten dünnen Viscosejersey, bei dem die Wellen nicht nur schräg angeordnet sind sondern sich innerhalb des Rapports auch noch verschieben.

Es ist mein drittes Modell nach dem Schnitt Vogue 1027 (einfarbig lila hier , Punkte hier). Ich hatte diesmal lange mit dem Oberteil rumprobiert und neu zugeschnitten, um dort einen einigermaßen harmonischen Musterverlauf dieser schiefen Wellen hinzukriegen.
vorher - nachher

Leider ist dieses dritte Kleid nach dem gleichen Schnitt das am wenigsten gelungene, obwohl mir die Idee der Kombination aus Stoff und Schnitt zunächst absolut vielversprechend vorkam und das Nähen wegen des Musteranpassens hier fast doppelt so lange gedauert hat wie bei den beiden Vorgängern.

Ich vermute, dass der Stoff zu dünn und das Muster entweder überhaupt nicht geeignet oder von mir doch nicht gut plaziert wurde.
Der Stoff leiert, das Kleid wird immer länger und die Taille rutscht immer weiter nach unten, hier ganz gut zu sehen, wie das Bindeband auf der Hüfte hängt.
Das Tragegefühl ist von diesen Bemängelungen allerdings nicht beeinträchtigt, der Schnitt ist einfach toll und der weite Jerseyrock macht viel Spaß.

 Evtl. werde ich ausprobieren, ob und wie sich das Kleid verbessert, wenn ich einen Gummi in die Taille nähe, wie es in der Vogueanleitung ja auch vorgeschlagen wird. Bei den ersten beiden Kleidern war das nicht nötig gewesen. Bei dem lilanen Kleid, welches auch aus einem dünneren Viscosejersey ist, habe ich mittlerweile als Vorsichtsmaßnahme einen Hutgummi in den Umbruch am Ausschnitt eingezogen. Wenig Aufwand- viel Wirkung / Wirksamkeit.

Ich habe ja die Hoffnung auf angenehmes Sommerwetter noch nicht aufgegeben, und mich deshalb von diesem Hinweis Freitag auf dem Markt auch nicht wuschig machen lassen:
Sondern stattdessen dieses von Lucy entdeckte und von Lotti aufgrund der Minirestgröße verschmähte Stück Jersey erstanden. Ich freu mich total. Das ist der Ginsterjersey, den es letzten Sommer bei Stoffe.de gab, den ich unbedingt haben wollte und der dann aber ausverkauft war.
Es ist in der Tat nur noch ein kleiner Rest, aber ich denke er wird mir für ein onion Knotenkleid reichen.

Vor einigen Wochen hatte ich probeweise auch schon mit dem Tiramisu experimentiert. Kam dann aus Zeitmangel aber nicht mehr zu einem Kleid....  In der Hoffung, dass es hierfür -und/oder weitere Vogue 1027s- noch nicht zu spät ist, liegen hier noch ausreichend Jerseys griffbereit rum.
Die beiden unteren sind Marktfunde aus diesem Sommer, den oberen habe ich im Karstadt Bremerhaven gefunden. Was soll man auch machen, wenn es im Urlaub dauernd regnet und man die beiden äußerst empfehlenswerten Museen dort (Klimahaus und Auswanderermuseum) schon in- und auswenidig kennt????

Freitag, 1. August 2014

Schulranzen retten

Aus aktuellem Anlass -neues Schuljahr, neue Schule, neue Schultasche- fiel mir ein, dass ich noch alte Fotos von einer Selbermacheraktion von vor 4 Jahren habe und diese eigentlich schon längst mal zeigen wollte.

Ich kann mich noch gut an mein Entsetzen erinnern, als ich mich das erste Mal mit ernsthaften Kaufabsichten in die Schulranzenabteilung des örtlichen Kaufhauses begab: Ein Abgrund an buntem Stereotypendesign.
Meine damalige Rechereche ergab allerdings, dass die optisch gelungeren oder unter Recycle-Gedanken hergestellten Schulranzenmodelle alle wesentlich schwerer und unhandlicher waren als die Anfängermodelle der üblichen verdächtigen Anbieter.
Kurzerhand liessen wir das Kind probetragen, kontrollierten die Passform, verglichen die Gewichtsangaben und entschieden uns für ein Modell. Das Kind durfte sich dann das Dessin aussuchen:
Nach knapp 2 Jahren war das Kind dem Dessin dann allerdings völlig entwachsen und wollte den bunten Ponykram und somit den Ranzen nicht mehr haben.
Während früher die Lederranzen oft ein ganzes Schulleben überdauerten- mein kleines rotes Teil hatte auf jeden Fall ein Revival im 10. Schuljahr- sind diese überteuerten, bunten Dinger offenbar eher Wegwerfartikel.
Ich fand es einfach schade, der Ranzen als solcher passte größenmäßig immer noch gut zum Kind und den zu transportierenden Schulmaterialien und zeigte auch keinerlei nennenswerte Abnutzungserscheinungen. Deshalb haben wir ausprobiert, ob eine Entschärfung des Ponykrams  die Lebensdauer des Ranzens erhöhen konnte.
Passender türkiser Punktestoff wurde gemeinsam gefunden:
Das Schnitteil des Ranzendeckels wurde mit Transparentpapier abgepaust (Folie ist evtl. viel besser geeignet)

Das gruselige Logo abgetrennt:

Dann der Stoff mit doppelseitig klebender Vlieseline bebügelt und zugeschnitten:
Und dann gnadenlos mit dem Bügeleisen auf die Klappe gebügelt. Dabei ein Handtuch als Gegengewicht unter die Klappe gestopft.
Nicht alle Ecken sahen sehr akkurat aus
Der Schulranzen konnte durch diese Maßnahme wieder tragbar gemacht werden und meine Tochter hat ihn noch weitere 1,5 Jahre benutzt. Ein unglaublich effektives Aufwand-Nutzen-Verhältnis, wie ich es beim Selbermachen nur selten erreiche!

An einigen Ecken löste sich der aufgebügelte Stoff mit der Zeit, allerdings wesentlich weniger als befürchtet. Da habe ich dann nachträglich mit Textilkleber hantiert.

Und weil es so schön gruselig ist und zum Thema Schulranzen passt: Das diesjährige allsommerferienübliche Fundstück. Es gibt anscheinend Dinge, die ändern sich nie.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Nachfreude und Vorfreude

Mein letztes Nähkränzchenprojekt, das Hochsommerpalmenkleid ist fertig!
Ich habe es in aufgeregter Vorfreude über die Erwartung von Nähnerdbesuch aus dem Westen und Süden nun endlich und gerade noch rechtzeitig für die morgige Ankunft fertiggenäht, das Blau wird beim Blinddate-abholen am Bahnhof sicher nicht zu übersehen zu sein.


Oberteil und Taillenband sind Vogue 8577, das Rockteil stammt von McCalls 6696. Ein Reißverschluss in der Seitennaht, die Knöpfe sind nur aufgenäht.

Der Baumwollstoff ist ganz dünn und knitteranfällig. Also kein kofferfähiges Urlaubskleid, aber für Dachterrassen- oder Strandbarbesuche in der Heimatstadt natürlich super geeignet.
Falls die kommenden Abende kühler sein sollten, würde ich dazu eigentlich gerne meine Strickjacke mit den 4-Sterne-WM-Ärmeln tragen.
Leider ist diese noch nicht ganz fertig. Ich musste leider ein ganzes Stück wieder aufribbeln und konnte das bis zur 113.Finalminute auch nicht wieder aufholen, obwohl ich diesmal beim Fussballgucken wirklich viel gestrickt habe.
Ich habe nämlich festgestellt, dass die "Jungs" eindeutig ruhiger und besser spielen, wenn ich nicht ständig hibbelig vor dem Bildschirm hänge und sie hysterisch anfeuere und ihnen lautstark mitteile, wo der Ball jetzt gerade ist und dass man sich den doch gefälligst mal holen könnte und auf die konterstarke rechte Seite des Gegners ja wohl gefälligst besser aufpassen müüse und so.
Oder geht die Kausalkette etwa andersrum?

Samstag, 12. Juli 2014

Grüne Lieblingsstrickjacke (mit angestrickten Ärmeln)

Ich hatte sie im vorletzten Post schon gezeigt: Meine nicht mehr ganz neue, aber aktuell liebste Ganzjahres-Strickjacke.



Die Tulpenblättergrüne Sockenwolle habe ich im letzten Sommer in einem Resterampen-Posten-Billigheimerladen an der Nordsee entdeckt. Und es war sogar ein leuchtend oranges Preisschild auf der Banderole, was in mir immer wieder den irrationalen Schnäppchen-Lumpi lechzen lässt. Petzt mir jetzt bitte nicht, dass es in solchen Läden sowieso nur orange Preisschilder gibt....
75% Wolle und alles superwash für 1,99€

Ich habe die Jacke nach der Schlampenmethode (Strickmethode von Hobbystrickerinnen, erstmals von Lucy erwähnt und beschrieben) gestrickt. Was in meiner Variante heißt: Einfach anfangen und sich -so man denn einen Stift zur Hand hat- ein paar kryptische Notizen machen. Am besten macht man diese Notizen nicht auf ein loses Blatt, auf dessen Rückseite noch nichtstrickrelevante Informationen stehen... Ihr ahnt, warum ich das weiß, oder?

Nach einer simplen Maschenprobe habe ich noch im letzten Sommer das Bündchen angeschlagen (Taillenumfang minus 2-3 cm für die Blende- und ganz wichtig: alles in gedehntem Zustand).
Dann lag das fertige 1rechts-1links-Bündchen eine Weile rum. Der Jodel-Knit-along stand an und ich strickte auch in den Herbstferien lieber verschlungene Zöpfe. Hatte aber zusätzlich auch das grüne Bündchen samt 3,5-er Holznadeln dabei. Was sich -nachdem ich zum Urlaubsende mein Scheitern beim Jodelwams einsehen musste- als sehr, sehr weise herausstellte. Denn somit hatte ich auf dem langen Transatlantikrückflug überhaupt was zum Stricken. 
Im abgedimmten Flugzeug, eingekeilt zwischen schlafenden Mitreisenden und ohne wirklich sehenswerte Filme konnte ich mich ganz und gar diesem Strickwerk widmen. Allerdings hatte ich in dieser Situation weder eine konkrete Anleitung und schon gar nicht die Mögichkeit zu irgendeiner Inspirationssuche im Internet. Und so begann ich ganz tiefenentspannt ein bißchen rumzuprobieren und mir einen zur Maschenzahl passenden Musterrapport auszudenken. Rausgekommen ist dies:

Das eckige Muster mit den 4 Löchern besteht aus 
1 Umschlag, 3 Maschen zusammenstricken (indem man die erste M abhebt, die folgenden beiden rechts zusammenstrickt und die abgehobene darüberzieht). 1 Umschlag- 13M glatt rechts.
Diesen Musterrapport in der übernächsten (rechten) Hin-Reihe wiederholen.
Danach in der überübernächsten Hin-Reihe das Mustereck versetzen.

Das persönlich Spannende an dem Ganzen ist für mich, dass ich zu keinem Moment bewußt an Lucys Jacke gedacht habe. Aber offensichtlich ihr tolles Stück so verinnerlicht, diese gelungene Wollfarbe-Musterkombination ganz tief abgespeichert hatte, dass ich dadurch ganz unbewusst ein fast identsches Muster gefunden habe.

Da ich nach dem Bündchen nicht zu stärkeren Nadeln wechseln konnte (ich erwähnte ja schon die flugzeugkompatiblen Holznadeln, die ich aber nicht in allen Größen besitze), habe ich in der ersten glatten Reihe ca jede 8. Masche verdoppelt.
Und dann erstmal ein ganzes Stück bequem geradeaus hoch gestrickt. Zwischendurch mal angehalten/ umgelegt. Bis ich später und wieder zuhause dann zum Ärmelloch kam. Hierfür die Maschen vom durchgehenden Körperteil sinnvoll in zwei Vorder- und ein Rückenteil aufgeteilt (Achtung Blendenbreite bedenken!) und dann beidseitig der Seitenlinie in den folgenden Reihen jeweils 3M, dann 2M und noch einmal 1M abgekettet.
Und wieder erstmal  geradeaus. Die Ausschnittabnahmen habe ich dann jeweils durch Anhalten und Maschenabzählen vorgenommen. Wenn man zügig arbeitet kann man sich die Machenzahl vom einen bis zum anderen Vorderteil merken. Ansonsten muss man -falls keine Notizen vorhanden sind- versuchen abzuzählen oder durch gegengleiches Auflegen zu rekonstruieren. Meine Devise ist hierbei, wenn etwas symmetrisch aussieht, dann reicht das und es kommt nicht auf eine Masche mehr oder weniger an. 
Die wichtigste Richtzahl im Bereich dess Ausschnitts ist mir immer die Anzahl der Restmaschen an der Schulternaht von Vorder- und Rückenteil. Die sollte vorne und hinten möglichst gleich sein, damit beim Zusammennähen alles gut aneinanderpasst.

Wie ich schon beim post zur WM-Jacke schrieb, neige ich dazu, nach Abschluss des Jackenkörpers nicht nur die Schulternähte zu schliessen, sondern ebenfalls die Blenden anzustricken und -soweit schon vorhanden- auch die Knöpfe anzunähen. Ab diesem Zeitpunkt ist dann jede Anprobe ein Vergnügen und zeigt die Passform schon sehr gut. Wenn die Jacke ein bißchen stramm sitzt, dann wird sie nach der waschbedingten leichten Materialvergrößerung optimal sitzen. (also in der Regel- die ja bekanntlich wiederum von Ausnahmen bestätigt wird)

Was mir nicht ganz gelungen ist, kann man hier erkennen. Das Blendenbündchen zieht sich unten etwas nach oben. Die Knopflöcher hätte ich auch noch etwas weiter nach innen versetzen sollen. Also nicht mittig in die Bündchenbreite sondern 2 Reihen weiter nach innen, das sieht bei körpernahen Jacken immer etwas besser aus. Und wo ich schon bei der Selbstkritik bin: Ich habe die Verteilung der Knöpfe anhand der Anzahl der vorhandenen Knöpfe bestimmen müssen, dadurch ist die Plazierung nicht ganz optimal.
Auf den Fotos scheint das aber alles schlimmer auszusehen als in echt!!


Wenn der Jackenkörper fertig ist, fängt man mit dem Stricken der Ärmel von oben nach unten an. Dafür nimmt man aus dem Armkugelloch Maschen auf. Ich tendiere dazu, aus jeder Randmaschenschlinge eine Masche rauszustricken. Je nachdem wird empfohlen, eine bestimmte Anzahl von Maschen zu verdoppeln. Das finde ich am oberen Rand ganz gut, wenn man eine Art Puffärmeleffekt haben möchte. 


Das Prinzip ist folgendes ( anhand der WM-Jacke auf dem Foto gezeigt): Aus den Randmaschen am Ärmelloch eine Runde Maschen aufnehmen (rote Punkte). Dabei fange ich nicht an der Seitennaht an, sondern ca 6 Maschen vor der Schulternaht (roter Pfeil).
Wenn die Runde voll ist, beginne ich mit den verkürzten Reihen und stricke die 6 Maschen vor der Schulternaht (also am Rundenanfang) und die 6 Maschen hinter der Schulternaht. Nun wird das Strickwerk gewendet und zurückgestrickt. Bei jeder dieser Reihen (blaue Linien) nimmt man am Ende eine der zuvor aufgenommenen und noch stillgelegten Maschen dazu. Die abgestrickten Maschen in den Hin- und Herreihen werden also immer mehr. 


Meine liebste Methode, um dabei Löcher an den Wendestellen zu vermeiden, ist die mit den Bobby pins (hier in diesem Video zu sehen ab Minute 5:58) 


Man arbeitet sich also mit verkürzten, immer länger werdenden Hin- und Rückreihen die Armkugel runter. Ich benutzte dafür eine Rundstricknadel. Mit zunehmender Reihenzahl und -länge wird es dann schon recht fummelig, um die Ecken zu kommen. Da muss man dann durch, indem man das Kabel der Rundnadel immer wieder zwischen den Maschen rauszieht (ist das "magic loop"?) Oder auf ein Nadelspiel umsteigt.



Ich stricke so lange verkürzte Reihen, bis noch ca 14 Maschen (in der Achsel) übrig sind. Nun schließe ich in einer Hinreihe die ganzen Maschen zu einer Runde und stricke den Ärmel so bis nach unten durch. Dann habe ich zwar ununterbrochen das Kabelgeziehe, brauche aber am Ende keine Ärmelnaht schliessen. Ich persönlich stricke einfach nicht so gerne mit einem Nadelspiel und nehme diese Unannehmlichkeit dafür gerne in Kauf.
Je nach Strickmuster kann es aber auch sinnvoller sein, mit Hin- und Rückreihen zu arbeiten!

Die Abnahmen in der Ärmelnaht fangen möglichst gleich nach dem Rundenschliessen an. Ich verteile diese nicht gleichmäßig von oben nach unten sondern nehme diese immer eher intuitiv vor. Oder probiere an und entscheide
Auch hier gilt: Aufschreiben und beim zweiten Ärmel korrekt wiederholen ist natürlich besser, aber wenn etwas symmetrisch aussieht, dann ist es genauso gut.

Nachdem ich bei diesem Projekt die fünfte 3,5er Holznadel durchgesessen hatte, bin ich letztlich mitten im Projekt wieder auf Metall umgestiegen, und erleichtert, dass ich keinen Unterschied oder gar die Übergangsstelle erkennen kann.
Ich mag die Holznadeln wirklich gern und das handling ist toll, aber die Zerbrechlichkeit passt nicht in mein Strickleben. Die dickeren 5-er Nadeln sind bedeutend stabiler.