Mittwoch, 20. Januar 2016

MMM 2/2016 Hollyburn in kariert...

Hier darf heute ausgiebig gegähnt werden.
Ihr werdet es kaum glauben, ich habe schon wieder einen Hollyburnrock genäht. Und trage diesen heute auch wieder mit komplett Schwarz. Zum Gähnen, ich weiß!

mit Kaufshirt und schwarzer Miette Strickjacke 
Der rote Karowollstoff befindet sich tatsächlich schon seit den späten 80ern in meinem Besitz. Ich weiß, dass ich damals ein Sakko mit schwarzem Futter daraus genäht hatte. Aber weiß leider weder, wo dieses abgeblieben ist noch ob ich es damals tatsächlich oft getragen habe. Im schlimmsten Fall, so befürchte ich, habe ich es mit einer engen kurzen Radlerhose getragen. Aber wir wollen hier ja zum Glück nicht über alte Modesünden sondern über aktuelle Selbermacherfreuden sprechen. Uff!

Dieser Wollstoffrest verbrachte also.die letzten Jahrzehnte in einem Karton in meinen diversen Kellern, zusammen mit dem schwarz-weißen Karostoff dieses Rockes -haha, auch ein Hollyburn.  Und überstand einen Wollwaschgang in der Waschmaschine zum Glück sogar bei gleichzeitigem Verlust des typischen Kellergeruchs. (was bei vielen Kellerfunden leider nicht so gut funktioniert)

Als ich mich mit der Karoanordnung für diesen Schnitt beschäftigte und die Worte "Hollyburn" und "Karo / Checks" googlete fand ich nicht die erhofften Bildbeispiele sondern stattdessen den Hinweis vom Schnitthersteller, dass dieser Schnitt "Nicht geeignet für Stoffe mit Karo, Streifen oder Musterrichtung" sei. Hähhh? Solch eine vordere und hintere Mittelnaht, die nicht im Fadenlauf verläuft, kann doch auch gerade eingesetzt werden, um schöne Mustereffekte zu erzielen. Oder zumindest kann man versuchen, schöne Effekte zu erzielen.
Obwohl der Stoffrest nicht gerade üppig war, habe ich die Karoansätze ziemlich gut hinbekommen.

Den Bund habe ich diesmal ausnahmsweise wieder als Streifen geschnitten -also so, wie es der Schnitt auch vorsieht. Ich hatte keine Idee, wie ich den Karoverlauf bei einem gebogenen Formbund (den ich grundsätzlich schöner finde) am besten einsetzen sollte. Und auch nicht ausreichend Stoff, um komplett diagonal zuzuschneiden.
Mit dem Karo bin ich recht zufrieden. Frage mich aber trotzdem ob ein Zuschnitt im Stoffbruch (mit den dann typischen, vorne quer und dann abfallenden Linien) nicht doch schöner gefunden hätte.
Der Stoff ist auf jeden Fall schön warm und bei dem Winterwetter genau richtig.

Dieses Modell hat aber von all meinen Hollyburn-Varianten den ausgeprägtesten Hosenrock-Look, also diese eingebeulte Falte in der vorderen Mitte:
Ich habe noch keine konkrete Idee, woran das liegen kann. Vermute, dass es ein paar mm mehr oder weniger beim Bundannähen sind, so dass die Rundung am Bauch leicht in eine Richtung verzogen wird? Wenn ich den Rockbund an den Seitennähten etwas anhebe, fühlt es sich so an, als würde die Falte schwächer werden. Oder liegt es doch an der Stoffqualität? Am Fadenlauf? Ich werde also meine Hollyburn-Reihe im Dienste der Wissenschaft noch fortsetzen müssen. Haha,..

Meine bisherige Analyse:
Bei den beiden linken Modellen ist die Hosenrock-Beule eindeutig ausgeprägter. Beide haben eine Mittelnaht und (zufällig?) einen Streifenbund. Der Karostoff ist dick, der petrolfarbene dünner und weichfallender.
Bei den beiden rechten Modellen (dieser und dieser) sind die Vorderteile im Stoffbruch -also nicht mit dem im Schnitt eingezeichneten Fadenlauf- zugeschnitten. und sie haben einen Formbund.
Alle Rücke sind gefüttert.
Jetzt seid ihr gefragt, habt ihr vielleicht Beobachtungen oder Vermutungen, woran die unterschiedliche Ausprägung der Beule liegt?

Falls ihr hier jetzt vor lauter Gähnen nicht eingeschlafen seid, solltet ihr unbedingt schauen, wie Dodos Karohollyburn aussieht, den sie als Gastgeberin unter ihrem tollen Mantel trägt. Auch sonst gibt es wieder viel spannendes Selbstgenähtes auf dem MMM-Blog zu entdecken.

Kommentare:

  1. Nicht eingeschlafen bis hierhin (wobei der gerade konsumierte vierfache Espresso seinen Anteil haben könnte... werde ich nach Bielefeld jemals wieder wach??!!) mutmaße ich mal, dass es sowohl die Naht in der vorderen Mitte (weniger Elastizität in der Strecke) als auch der gerade Bund (die Mitte wird am weitesten hoch gezogen) sein könnten.
    Wie auch immer: Gerade das gibt doch jedem deiner Röcke den individuellen Look, weswegen ich mir auch weitere Hollyburns von dir gerne ansehe. Und dass du das ewige "nicht für diese oder jene Musterung" so erfolgreich ignoriert hast, freut mich diebisch!
    LG, Bele

    AntwortenLöschen
  2. Und wieder so ein toller Hollyburn bei dir! Wenn er mir doch auch nur stehen würde...und er hätte auch gut zum Vivien Westwood Sew Along gepasst. Ich kapier auch nicht, warum der Rock nicht mit Karos oder Streifen funktionieren soll. Mir gefällt er sehr gut!

    Liebe Grüße
    Julia

    AntwortenLöschen
  3. Der Rock ist echt schön mit dem klassischen roten Karo. :) Ich finde die Naht in der vorderen und hinteren Mitte ein schönes Detail.

    AntwortenLöschen
  4. Die Hosenrockbeule-herrlich, aber doch nicht weiter schlimm, zumal Cullottes doch eh im Trend sind. Hast du halt einen Fake-Hosenrock und auch noch so schön kariert und mit äußerst interessanter Karoanordnung. Schick, hübsch und interessant; wer kann denn da bitte schön gelangweilt sein ?
    LG von Susanne

    AntwortenLöschen
  5. Erstmal, wow, du nähst aber schon lange ... da verzeih ich dir sogar den Hinweis auf Sakkos mit Radlerhosen. ;) Bei der Hosenrockfalte tippe ich persönlich auf den Fadenlauf. Hab da meine eigene Versuchsreihe am Laufen ... Liebe Grüße, Zuzsa

    AntwortenLöschen
  6. Ich finde gerade diesen Karoverlauf super, das typische gerade und dann abfallend hätte ich zum Gähnen gefunden ;) Dieses vorn eingebeulte habe ich auch bei meinem Rock aus ziemlich festem jeansartigen Stoff. Bei den anderen aus leichter fallendem Stoff eher nicht. Aber setz du mal ruhig deine wissenschaftliche Reihe weiter fort, mich langweilst du noch lange nicht ;)
    Liebe Grüße Doreen

    AntwortenLöschen
  7. Toller Rock und gerade das Karo macht ihn interessant und perfekt für Dich um schwarze Oberteile zu tragen - von solchen Röcken kann frau nicht genug haben. Die Falte vorn ist mir auch bei anderen Exemplaren des Hollyborn schon aufgefallen, ich finde es nicht schlimm, vor allem beim Karo. Vermute es liegt an der Naht im schrägen Fadenlauf. LG Kuestensocke

    AntwortenLöschen
  8. Nein, ich bin auch nicht eingeschlafen. Im Gegenteil, ich finde Deine Betrachtungen sehr interessant. Ich habe gerade meinen ersten Hollyburn genäht. Weil ich immer das Gefühl hatte, eine Seite sei länger, habe ich ihn fast eine Woche aushängen lassen und gestern erst den Rocksaum gemacht. Ich finde das Gefühl, dass ein Rock so schwingt, ganz toll. Ich glaube, man wird süchtig nach dieser Rockart. Es werden noch einige folgen. Dein karierter Kellerrock ist einfach toll. Und die Falte? Äh, die würde mich nicht stören.
    Liebe Grüße Epilele

    AntwortenLöschen
  9. Ich habe ja den Verdacht, dass die Karowarnung da aus Angst vor Regressansprüchen steht.
    So wie oft in Kleidung auf den Waschhinweisen der Besuch einer Reinigung steht.
    Habe ich tatsächlich schon in T Shirts aus Baumwolle gesehen.
    Toller Hollyburn, mach ruhig noch ein paar.
    LG,
    Claudia

    AntwortenLöschen
  10. Leider weiß ich keine Antwort auf deine Frage. Ich bin selbst neugierig warum sich diese Beulen bilden.
    Aber, obwohl sie (die Beulen nämlich ) einen zum Nachdenken bringen, sind alle deine Röcke prima und meiner Meinung nach kannst du sie ruhig fortsetzen.
    Lg
    Ewa

    AntwortenLöschen
  11. Also meine Liebe..-mein Hollyburn in Schwarz ist definitiv langweiliger! Das Karomuster mag ich sehr und zur Beulenevaluation kann ich nicht viel sagen-außer daß es mehr beult, wenn die Stoffe eher fest sind. Vermutlich ist Elkes Sicht auf das Beulenverhalten ziemlich richtig, die ist schließlich Fachfrau! Wir haben dich in Bielefeld vermisst-herzliche Grüße!!

    AntwortenLöschen
  12. Gähn!

    Quatsch - ich habe hochinteressiert die Fotos studiert und auch die Kommentare gelesen, denn über den unterschiedlichen Fall der Stoffe könnte ich nur spekulieren. Jedenfalls gefällt mir dieser Karorock gerade wegen der Mittelnaht und dem Karoverlauf gut. Eigentlich finde ich nämlich bei den im Stoffbruch zugeschnittenen weiten karierten Röcke unschön, dass die Karos/Streifen traurig nach außen abfallen, während der Schnitt ja eher beschwingt ist... Und vielleicht kommt auch der Hosenrock-Look auch daher, dass die Karos wie bei einer Hose verlaufen und nicht so komisch nach außen abfallen...
    Gefällt mir gut, dein neuer Rock!

    AntwortenLöschen
  13. Eine spannende Frage auf die ich keine Antwort weiß, da mir so weite Röcke nicht stehen aber ich schaue sicher noch mal vorbei, ob die Frage geklärt wird.
    Ich finde ja du solltest den Schnittmusterherstellern einfach ein Bild von dem gelungenen Karorock schicken, einen besseren und schöneren Beweis für die Falschaussage gibt es nicht.
    Liebe Grüße
    Sylvia

    AntwortenLöschen
  14. Oh oh, dieser Hollyburnschnitt verfolgt mich bis in meine Träume...und in Karo sieht er besonders chic aus!

    AntwortenLöschen
  15. Schwarz mit kariert ist eben eine tolle Kombination. Ich habe auch schon festgestellt, dass sich die Stoffe manchmal unterschiedlich beulen. Aber ich glaube, es liegt an beidem: Unterschiedlicher Fadenlauf und Stoffart!

    AntwortenLöschen
  16. Kannst Du Gedanken lesen? Genau all das was Du schreibst hätte ich auch schreiben wollen zum Hollyburn. Ich hatte da im Sommer ja ein besonders schlimmes Exemplar von "Hosenrockfalte"... Ich glaube inzwischen, dass Deine Idee im Bruch zuzuschneiden genial ist. Das vermeidet m.E. diese "Tütenbildung" in der vorderen Mitte. Meinen Karorock hab ich aus Verzweiflung auch hinten mit verändertem Fadenlauf zugeschnitten. Das gefällt mir sehr viel besser als das Original. Nur dass ich Honk vorne nicht bedacht hatte, dass es unschön ist das Quadrat des Karos vor dem Bauch zu haben.Da werden wir gemeinsam noch dran tüfteln, nech? Denn eigentlich ist das ein wunderbarer Rock
    Liebe Grüße Dodo

    AntwortenLöschen
  17. Hab jetzt noch nicht die anderen Kommentare gelesen, aber ich denke, es liegt eindeutig am Fadenlauf. Wenn Du das Vorderteil im Stoffbruch zuschneidest, bleibt er in der Mitte glatt, weil die Kett- oder Schussfäden senkrecht von oben nach unten laufen und nix nachgeben kann. Wenn Du dort stattdessen zwei schräge Kanten zusammen nähst, können beide Teile nachgeben und es beult.

    Liebe Grüße, so von Dipl.-Ing. zu Dipl.-Ing,
    Henriette

    AntwortenLöschen
  18. Neverever könnte Hollyburn langweilig werden - Deine Karoanordnung ist rundum (!) gelungen, die Falte vorne wäre mir nicht (zumindest nicht negativ) aufgefallen.
    Liebe Grüße,
    Sandra

    AntwortenLöschen