Freitag, 30. März 2012

noch mehr Gelbes (und etwas Kaffee Fassett)

Nachdem es bei mir in den letzten posts von Gelb nur so wimmelte, leg ich heute nochmal nach und zeige hier einen meiner Lace-Tuch-Klassiker, ungefähr vor 3 Jahren gestrickt
Ich hatte damals ziemlich konkrete Vorstellungen und wollte unbedingt ein dünnes gelbes Stricktuch, konnte aber leider keine Wolle finden, die diesen Vorstellungen entsprach.
Vor allem den richtigen Farbton zu finden war schwierig und so habe ich dann leicht enttäuscht ein fluschiges Mohair in diesem leider etwas zu dotterigen Gelbton nehmen müssen.(Die Farbe kommt auf dem Foto positiv verfälscht rüber!)
Interessanterweise kann ich mich weder an die Wollbezeichnung noch an das verwendete Muster erinnern. Und eigentlich auch gar nicht daran, wo und wie und daß ich das Ganze überhaupt gestrickt habe.

In der Regel erinnere ich mich emotional und immer ziemlich genau, z.B. in welchem Urlaub, in welcher Stimmung oder auch zu welchem Hörbuch ich etwas gestrickt habe. Aber hier seltsamerweise nicht. Ich kann mich einzig an den frustigen Wollkauf erinnern und dass es an dem Tag 10% auf die Wolle in dem Laden gab.
Das Tuch wurde aber höchstwahrscheinlich von mir gestrickt, in diesem Haushalt strickt sonst keiner Lace-Tücher (außer die Kölner Heinzelmännchen waren heimlich zu Besuch?.)
 Lace-Klassiker mit Bordüren an beiden Seiten

Wie geht es euch, habt ihr auch so ein textiles Situationsgedächtnis, wie ich es normalerweise habe? Habt ihr Erinnerngen, die untrennbar mit bestimmten Handarbeitsprojekten verbunden sind?

Ich habe z.B. dieses Kissen vor ziemlich langer Zeit gestickt.
Die Anleitung stammt aus einem herrlich bunten Kaffee-Fassett-Buch, welches ich mal günstig in einem modernen Antiquariat gefunden hatte. Und wenn ich es jetzt wieder finden würde, hätte ich auch ein paar Fotos gemacht....werde ich nachliefern, falls das Buch irgendwann wieder auftauchen sollte.

Einen großen Teil der Kissenplatte habe ich auf einer Sonnenterasse in Südfrankreich gestickt. Das war zu Zeiten, als der Markt für Erwachsenen-Hörbücher noch sehr klein und vor allem auf sehbeeinträchtigte, ältere Menschen abzielte.
Ich hatte aus dem nicht sehr spannenden Angebot der Bücherei einen Umweltaktivisten-Thriller eines amerikanischen Bestsellerautors auf gefühlt 18 Audiokassetten ausgeliehen und tagelang gehört. Die Story war streckenweise ziemlich hahnebüchen, aber das Medium Hörbuch hat mich damals sehr in seinen Bann gezogen. Und so fallen mir in Verbindung mit diesem Kissen immer wieder Szenen aus dem Hörbuch ein, in denen die Protagonisten mit einem PickUp durch die Wüste von Nevada fuhren, um irgendwelche schlimmen Ereignisse zu verhindern....und irgendwie waren dann die Guten plötzlich die Schlechten und irgendwelche Ölbohreinrichtungen gingen in Flammen auf.

Kommentare:

  1. Die Hörbuch/Urlaub-Verbindung zu länger dauernden Handarbeiten kenne ich sehr gut. Wenn ich nicht auch öfter aus der Not heraus den größten peinlichsten Grampf hören würde, dann könnte ich das auch auf dem Blog dokumentieren, aber da man immer tiefer im Ansehen sinken kann, lasse ich das lieber bleiben und notiere es nur, wenn ich was qualitatives gehört habe, so kann ich mein INTERLECKTUELLES Bild wahren ;-).
    Das mit dem Tuch ist allerdings seltsam oder hast Du während dessen Strickzeit gerade gestillt?
    Die Kaffe Fassett Bücher finde ich stets faszinierend, doch oft mit Farb-Overkill. Hast Du mal ein Vorwort von ihm gelesen? Ich glaube er ist ein rechter Angeber oder aber der englische Humor wird falsch übersetzt.

    Viele Grüße
    Julia

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    1. Ich habe ja die gute Ausrede gleich mitgeliefert. Die örtliche Bücherei hatte bei den Kassetten sonst fast nur Kurzkrimis von Sjöwall/Wahlöö oder lusitgen Kram von Ephraim Kishon.
      Und trotz der mitlerweile immensen Auswahl in der Hörbuchabteilung lande ich immer noch blöde und besser nicht zu erwähnende Nieten.

      Und ich kann beim Stricken des Tuchs eigentlich nicht mehr gestillt haben, aber da die Idee für eine Erklärung meiner Demenz so gut ist übernehme ich sie hiermit.

      LG

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  2. Ja, diese in handgefertigten Stücke eingewebte Erinnerungen kenne ich auch. Deswegen hoffe ich ja, dass das Frühlingsjäckchen etwas wird, OBWOHL ich nebenher oft so schlechte Filme schaue!

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    1. Ohne das Jäckchenstricken würdest du die schlechten Filme vermutlich doch gar nicht ertragen, ODER?????

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  3. Ein spannendes Thema!
    Meine Antwort habe ich mal auf meinem Blog geschrieben, da gibt es auch Fotos:
    http://die-linkshaenderin.blogspot.de/2012/03/wiebke-nach-erinnerungen-die-untrennbar.html

    Liebe Grüße,
    Henriette

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    1. Hab mir deine Liebeskummerdecke schon angeschaut. Solche Geschichten sind echt toll.
      LG

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  4. Hehe, flammende Ölbohreinrichtungen, so schön hat noch keiner den göttlichen Kaffee heruntergeholt. Allein unter anhimmelnden Handarbeitsfrauen wird Mann wahrscheinlich automatisch zum Angeber.
    Davon abgesehen finde ich ich Kissen wirklich sehenswert. Mal was ganz anderes. Sonnenterrassenmäßig auch das Graskissen darunter!

    An die Herstellungsumstände einer Sache kann ich mich eigentlich selten erinnnern, weil ich meist nicht unter besonderen Umständen herstelle. Wo die Materialien herkommen weiß ich aber oft noch ziemlich genau, so wie bei dir und dem Stilldemenz?-Tuch.

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    1. Ich habe bei der Recherche nach einem Foto von dem erwähnten Buch zwar keines gefunden, aber dafür ein paar von Kaffee in Begleitung von anhimmelnden Frauen. Aber am Liebsten scheint er ganz allein vor seinem Bunt zu posieren.
      LG

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  5. Gelb ist nicht so meine Farbe - aber das Muster des Tuches gefällt mir dafür um so besser. Ich kann mich auch noch an viele Details meiner Handarbeiten erinnern (Wo, wann, wieso, usw) Manchmal blende ich nur das gesamte Stück aus und bin dann überrascht, wenn es mir wieder in die Hände fällt, was ich alles schon "hergestellt" habe. Bei dem Kissen fällt mir nur ein Frage ein: Wieso denkst du, du hättest für Patchwork keine Geduld???!!!!

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  6. hmmm, ich habe zwar einen Großteil auf der erwähnten Terrasse in einem langen Sommer gestickt, aber dann für den Rest nochmal mindestsns 2 Jahre gebraucht...
    LG
    Wiebke

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    1. Ok, aber das hattest du hier jetzt nicht erwähnt ;) Wobei ich auch schon mal ca 10 Jahre an einer Decke saß, die mir am Schluss natürlich überhaupt nicht mehr gefiel....

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    2. So was ärgerliches! Kann ich mir gut vorstellen, dass die Decke dann nicht mehr "up to date" war, obwohl man ja meinen müßte, dass Quilts und Decken zeitlos sein müßten.
      Und es spricht für dich, dass du die Decke noch fertig gemacht hast.

      Wie können hier ja mal eine Runde aufmachen, in der nach den zähsten also den am längsten gedauerten Projekten gefragt wird. Irgendwo hat jemand ein vor Jahrzehnten von einer Großmutter angefangenes Projekt fertiggestellt und vorgestellt. Weiß leider nicht mehr, bei wem ich das gefunden hatte. Fand ich sehr beeindruckens.
      Meine Enkel hätten dann viel zu tun....

      LG
      Wiebke

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  7. Das wäre genau mein Tuch, mein gelb!!!!Total schön! Mir geht es auch so, es gibt z.B. eine Elisabeth-George-Hörbuch-Kleid usw.. Und bei anderen teilen fehlt mir völlig die Erinnerung! Das Kissen ist ja auch wundeschön.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  8. Hm......ich habe, als mein Sohn grade geboren war, eine Decke aus Hexagonen als Babydecke geplant und auch in Handarbeit tapfer daran genäht. Aber irgendwie wurde sie nicht fertig, bis vor 3 Jahren. Das war an seinem 18. Geburtstag........:-) *räusper*
    Gefreut hat er sich trotzdem.
    Ein anderes Teil, an das ich mich sehr gut erinnere, ist eine PW-Decke für meine damals an Demenz erkrankte Mutter. Ich hatte dafür lauter alte Stoffe wie meine Kinderbettwäsche, Geschirrtücher, Kleiderstoffe von ihr usw. ausgewählt, die sie möglicherweise noch an früher erinnert hätten oder eine Gedächtnishilfe für sie hätten sein können. Für diese Decke habe ich zwar nur 2 Monate gebraucht, aber meine Mutter ist leider verstorben, bevor die Decke fertig wurde.
    Dein Kissen ist wirklich wunderschön!
    LG aus Bayern, Ulrike

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  9. Der Schal ist toll, auch wenn dir die Zusammenhänge entfallen sind. Und auch wenn dir das Gelb nicht so ganz zusagt, ist es doch allemal ein schönes fröhliches Gelb und das kann so verkehrt nicht sein.

    Ich bin schwer beeindruckt ob des Kissens. Meine Güte. Da hätte bei mir EIN Hörbuch nicht gereicht.

    Ich liebe es auch, diesen Zusammenhang zwischen Entstehung und Lebens- (äh, oder Lese-)phase. Vielleicht sollte ich auch anfangen nebenher Hörbucher zu hören, fernsehen ist nämlich nicht so ideal.
    Mein Flicken(=Ufo)korb hat inzwischen auch schon historischen Wert, so lange wie manche Dinge da drin liegen...

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